PR-Desaster für Daniela Ludwigs Präventions-Kampagne

In dieser Woche läutete die Drogenbeauftragte auf Twitter die zweite Runde ihrer Social-Media-Kampagne MachDichSchlau über Cannabis ein. Unter den bereits Ende April veröffentlichen vier neuen Beiträgen findet sich unter anderem ein Beitrag der bekannten Chemikerin und YouTuberin Mai Thi Nguyen-Kim, die sich für das Funk-Mediennetzwerk in ihrem Format MaiLab im vergangenen Jahr mit Cannabis beschäftigte. In einem mittlerweile gelöschten Instagram-Posting wurde dies mit Ausschnitten aus ihrem Beitrag beworben. Das Problem an der Sache: Mai Thi Nguyen-Kim hat weder der Aktion zugestimmt, noch hat Funk ihren Angaben nach die Bearbeitung ihres Contents autorisiert.

Was war passiert

In dem 2020 erschienenen Video “Cannabis: Alles, was du wissen musst” (welches kurioserweise einer YouTube-Altersbeschränkung unterliegt) beleuchtet Mai Thi Nguyen-Kim aus wissenschaftlicher Sicht das Gefahrenpotential von Cannabis. Auch wenn uns bei den Ausführungen zu Cannabis als Medizin ein paar Aspekte in MaiLabs Beitrag fehlten, ist es ist ein gutes Erklärvideo, welches auch wir damals über unsere Kanäle teilten. 

Dementsprechend verwundert reagierte auch die Cannabis-Community auf Twitter, als der aus dem Kontext gerissene Teaser  in einem Tweet der Drogenbeauftragten vorgestellt wurde. Hat die Agentur wirklich die renommierte Wissenschafts-YouTuberin für ihre Kampagne gewinnen können oder wurde hier ungefragt Content von MaiLab neu arrangiert, um sie als wissenschaftliches Aushängeschild zu nutzen? Die Antwort kommt von Mai Thi Nguyen-Kim persönlich: Sie reagierte überrascht, da sie offensichtlich keine Kenntnis darüber hatte, dass Auszüge ihres Beitrags ungefragt zusammengeschnitten wurden und sie als Teil der Ludwig-Kampagne präsentiert wird.

Auch das Content-Netzwerk der öffentlichen-rechtlichen distanziert sich auf Anfrage des Redaktionsnetzwerks Deutschland

“Funk hat die auf der Kampagnenseite gezeigten Videos nicht bereitgestellt. Bezüglich der Programminhalte von mailLab hat die Behörde eine Medienkooperation bei der zuständigen Redaktion angefragt. Diese Anfrage wurde jedoch nicht beantwortet“, so ein Sprecher von Funk.”

Die hinter der Kampagne stehende Agentur musste den Disclaimer auf der Aktionsseite wie folgt ändern:

“Die Ziele, Hintergründe und Abläufe wurden mit den Partnern, Unterstützern und Redaktionen im Vorfeld besprochen. Die Einbettung der Videos auf dieser Plattform erfolgt mit Erlaubnis des Mediennetzwerks funk. Die Beiträge bleiben als funk-Video identifizierbar, wurden nicht verändert oder gekürzt und bleiben in der Darstellung werbefrei.”

Genau das ist bei dem Instagram-Teaser nicht der Fall gewesen, wie der Funk-Sprecher klar macht:

„Voraussetzung ist, dass das genutzte Video als Funk-Video identifizierbar bleibt, nicht verändert oder gekürzt wird und die Darstellung werbefrei ist“

Die Agentur musste also auch noch ihren Instagram-Beitrag mit dem gekürzten MaiLab-Beitrag löschen. Die erste Runde von Ludwigs “MachDichSchlau”-Kampagne war in den Sozialen Medien schon eine Lachnummer. Die zweite Runde ist ein komplettes PR-Desaster, über das nun auch Medien berichten. Ludwig hingegen scheint auch das egal zu sein, sie postete, anstatt Antworten zu den Vorwürfen zu geben, lieber ein weiteres Video aus ihrer Vlog-Reihe.

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