Vereinte Nationen nehmen Cannabis aus der Liste der gefährlichsten Drogen

Nach 60 Jahren des Status Quo, 3 Jahren wissenschaftlicher Untersuchungen durch die WHO und 2 Jahren diplomatischer Diskussionen, haben die Vereinten Nationen diese Woche schlussendlich Cannabis aus der Kategorie 4 der Single Convention gestrichen. Damit ist Cannabis nicht mehr zusammen mit den am gefährlichsten eingeschätzten Drogen eingestuft und die medizinische Wirkung wird anerkannt. Am Verbot von Cannabis als Genussmittel ändert der Beschluss aber nichts.

Konkret geht es dabei vor allem um die Single Convention on Narcotic Drugs von 1961, die das juristische Grundgerüst der weltweiten Verbote bestimmter Substanzen darstellt. Mit diesem Vertrag wurde vor Jahrzehnten auch das Verbot von Hanf durchgesetzt. Die historische Bedeutung dieser Vereinbarungen ist also kaum hoch genug einzuschätzen. Entsprechend wird der aktuelle Beschluss von diversen international agierenden Aktivisten gefeiert. Es ist ein wichtiges Signal für die weltweite Cannabisdiskussion, insbesondere in Ländern, die immer noch keinen Zugang für medizinisches Cannabis geschaffen haben und Patienten für die Anwendung hart verfolgen.

Für Deutschland und viele andere Länder hat der Beschluss dagegen kaum praktische Relevanz, weil sie schon längst in größerem Umfang Zugang zu medizinischem Cannabis geschaffen haben. Und das zeigt das Grundproblem der Verträge: Sie bestimmen nicht mehr wie früher die juristische Realität in allen Mitgliedsstaaten, sondern laufen der faktischen Realität mit großem Abstand hinterher. Immerhin haben mittlerweile einige Staaten Cannabis vollständig reguliert und damit die Verträge ignoriert, weil deren Änderung viel zu lange dauert.

Dass es viel zu langsam vorwärts geht, zeigt auch das Beispiel des Cannabinoids Cannabidiol (CBD). Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte nach Expertenanhörungen auch hierzu Vorschläge gemacht. CBD sollte nicht als Droge eingestuft werden, weil es nicht besonders gefährlich ist und vor allem weder einen Rausch, noch eine Abhängigkeit erzeugt. CBD-Zubereitungen mit bis zu 0,2 Prozent THC sollten nicht der internationalen Drogenkontrolle unterliegen. Diesen Vorschlägen ist die „Commission on Narcotic Drugs“ der UN diese Woche allerdings nicht gefolgt, obwohl CBD längst weltweit in vielen Ländern akzeptiert ist und Milliarden damit umgesetzt werden.

Die internationalen Verträge werden die sich weltweit beschleunigende Legalisierung von Cannabis wohl weder aufhalten, noch werden sie sich daran anpassen, sondern eher in der Bedeutungslosigkeit versinken.

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